Ältere Arbeitnehmer: heute oft gejagt, morgen viel gefragt

15.11.2017 in Perspektiven von Helmut Bachmaier

Ältere Arbeitnehmer Titelbild

© pixabay.com

Angesichts der demographischen Entwicklung werden ältere Arbeitnehmer für Unternehmen in Zukunft immer wichtiger, bringen sie doch ein reiches Erfahrungswissen mit. Ausserdem werden ca. 15% der Leistungsträger in den kommenden Jahren ihre Positionen in den Firmen aus Altersgründen verlassen.

Lange Zeit war es selbstverständlich, dass ältere Arbeitnehmer mit Frühpensionierungen oder mit Abfindungen aus den Betrieben aussortiert wurden. Es herrschte die Auffassung vor, dass mit zunehmendem Alter die Leistungs-, Lern- und Innovationsfähigkeit graduell abnehme und deshalb die Zukunft eines Unternehmens nur auf jungen Arbeitskräften ruhen wird. Zwar wurde betont, dass ein guter Altersmix angestrebt werden sollte, aber die Zahlen der Frühverrentung oder das Ausscheiden vor der Pensionierungsgrenze sprechen eine etwas andere Sprache.

Erwerbsquote

Erwerbsquote Männer (blau) und Frauen (rot-gelb) nach Alter, 1970-2000 (SECO)

© SECO

Zwischen 1996 und 2010 schwankte der Anteil der 55-jährigen und älteren Erwerbstätigen in der Schweiz stets zwischen 62,4% und 67,2%, und rund die Hälfte aller Beschäftigten verliess das Erwerbsleben vor dem offiziellen Rentenalter (Bundesamt für Statistik).

Wegen der Bevölkerungsalterung und der tiefen Geburtenrate prognostiziert das Bundesamt für die nächsten Jahrzehnte ein Arbeitskräftedefizit. Und das SECO stellte unter dem Titel «Arbeitsmarktpartizipation älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer» fest: «Die Partizipation der älteren Erwerbstätigen am Arbeitsmarkt wird wegen der demographischen Alterung auch für unser Land immer wichtiger.»

Qualifizierte Arbeitskräfte werden knapp

Ältere haben – wie verschiedene Untersuchungen gezeigt haben – eine sehr hohe Arbeitsmoral und ein hohes Qualitätsbewusstsein. Sie verfügen über Erfahrungswissen, das sich in ihrem Berufsleben in einem Unternehmen angesammelt hat. Sie identifizieren sich mit ihrer Arbeit und dem Betrieb, und – was oft überrascht – es gibt weniger Fehlzeiten und weniger Krankheitstage als bei Jüngeren. Schliesslich verfügen sie über eine hohe Sach- und Sozialkompetenz.

Für die ältere Generation sind rechtzeitige Weiterbildungsmassnahmen, flexible Arbeitszeiten und altersgerechte Arbeitsplätze und eine generationen- und altersgerechte Personalorganisation sowie eine optimale gesundheitliche Vorsorge erforderlich. Wird dies rechtzeitig angeboten und auch genutzt, dann können ältere Mitarbeitende sehr gut mit der heutigen Arbeitsdynamik mithalten.

Intergenerative Arbeitswelt

Es hat sich gezeigt, dass bei komplizierten Aufgaben besonders gemischte Teams aus verschiedenen Altersgruppen erfolgreicher sind als solche aus homogenen Jahrgängen. So sind etwa Tandems (Jüngere und Ältere an einem Projekt) besonders effektiv, weil ihn ihnen das aktuelle Verfügungswissen der Jüngeren und das Erfahrungswissen der Älteren kombiniert werden kann. Tandems tragen ausserdem zum besseren gegenseitigen Verständnis unter den Generationen bei.

Damit ältere Mitarbeitende angesichts der (auch globalen) Wettbewerbssituation am Arbeitsmarkt nicht nur partizipieren, sondern auf ihm eine stärkere Rolle spielen als bisher, sind neue politische, soziale, steuerliche Rahmenbedingungen erforderlich, die über eine altersbedingte Abstufung der Pensionskassenbeiträge hinausgehen müssten.

Entscheidungen für die Zukunft

Möglichkeiten, um dem zukünftigen Arbeitskräftemangel zu entgehen, könnten sein:

  • kürzere Ausbildungswege (früherer Berufseintritt)
  • Anteil der Frauen in der Arbeitswelt erhöhen (setzt gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten und differenzierte Modelle der Elternteilzeit voraus)
  • Automatisierung von Arbeitsprozessen (erfordert hohe Investitionen in Forschung und Technik)
  • längere Arbeitszeiten (60-Stunden-Woche)
  • längere Lebensarbeitszeit (Rente mit 76 statt mit 67)
  • mehr Migration (Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte).

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, noch einmal etwas Neues anzufangen, einen Neustart als Unternehmer oder Unternehmerin zu wagen, der einen Lebenssinn geben und die Lebensqualität sichern kann.

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