Arbeitswerte und Arbeitsbedingungen bei jüngeren und älteren Arbeitskräften

21.07.2017 in Generationen von François Höpflinger

Arbeitswerte und Arbeitsbedingungen bei Jüngeren und Älteren Arbeitskräften

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Eine interessante Tätigkeit und ein sicherer Arbeitsplatz stehen bei den Arbeitswerten an erster Stelle, gefolgt von einer selbständigen Arbeit, die Kontakte mit anderen Menschen erlaubt. Am Schluss der Rangliste ist ein hohes Einkommen, das nur von weniger als zehn Prozent der Befragten als sehr wichtig eingestuft wird. Die Mehrheit erachtet ein gutes Einkommen als wichtig, aber nicht als zentral.

Der Vergleich zwischen drei Altersgruppen lässt nur in einigen Bereichen klare Unterschiede erkennen: Ältere Befragte gewichten eine interessante Tätigkeit leicht weniger stark, dafür ein selbständiges Arbeiten stärker als junge Befragte. Daneben gewichten ältere Personen gute Aufstiegsmöglichkeiten weniger häufig als sehr wichtig gegenüber jüngeren Personen. Dies kann entweder damit zusammenhängen, dass ein beruflicher Aufstieg schon erreicht wurde bzw. als nicht mehr erreichbar wahrgenommen wird. Eine Reduktion von Ansprüchen an die Arbeit erlaubt es, mit dem Erreichten zufrieden zu sein.

Insgesamt betrachtet, sind die Unterschiede der Arbeitswerte nach Alter bzw. Generationen nicht ausgeprägt. Damit weisen ältere, langjährige Mitarbeitende keine grundsätzlich andere Arbeitsorientierung auf als jüngere Mitarbeitende. Relevant sind eher andere soziale Dimensionen (Bildungshintergrund, Berufsposition, Familienstand, Geschlecht) und persönliche Interessenslagen.

Zentrale Arbeitswerte im Altersgruppenvergleich (2015)

Tabelle 1 Zentrale Arbeitswerte im Altersgruppenvergleich

Quelle: Mosaich (ISSP) 2015

Auch die Einschätzung der aktuellen Erwerbsarbeit variiert nur vergleichsweise geringfügig nach Alter. Einzig bei der Beurteilung der Aufstiegsmöglichkeiten zeigen sich klare Differenzen: Während eine Mehrheit der 18-29-Jährigen ihre Aufstiegschancen als gut beurteilt, sind dies bei den 50-64-Jährigen nur noch 28%. Hier widerspiegelt sich die bekannte Tatsache, dass berufliche Karrieren informellen Altersbeschränkungen unterliegen (und wer bis zu einem gewissen Alter nicht Karriere gemacht hat, wird dies auch später nicht realisieren können).

Erlebte Arbeitswelt (nur aktuell erwerbstätige Personen, 2015)

Tabelle 2 Erlebte_Arbeitswelt

Quelle: Mosaich (ISSP) 2015

Stressniveau

Die Seco-Stress-Studie 2010 liess ein hohes Stressniveau bei vielen Arbeitskräften in der Schweiz erkennen: ein Resultat oft intensiver, anforderungsreicher, aber auch widersprüchlicher Arbeitsanforderungen in einer dynamischen und wettbewerbsorientierten Arbeitsgesellschaft. Die Ergebnisse der Seco-Studie 2010 werden auch durch die aktuellen Erhebungen bestätigt. Gut ein Drittel der erwerbstätigen Personen klagt über stressige Arbeitsbedingungen. Signifikante Unterschiede zwischen Altersgruppen werden nicht sichtbar, und ein hohes Stressniveau zeigt sich bei jüngeren wie älteren Arbeitskräften gleichermassen.

Zusätzlich klagen nicht wenige Personen über eine ermüdende Arbeitsposition oder über Lärm/Dreck während der Arbeit. Aber auch diesbezüglich zeigen sich kaum klare Altersunterschiede. Inwiefern der Umgang und die Folgen von Stress oder anderen Arbeitsbelastungen mit dem Alter variieren, bleibt hier allerdings offen. So ist es durchaus denkbar, dass die Stresswerte bei der Gruppe der 50-64-jährigen Arbeitskräfte nicht höher sind als bei den jüngeren Arbeitskräften, weil stark stressbelastete Personen schon häufiger aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind (via Invalidität oder Frühpensionierungen): als Folgen des Selektionseffektes.

Wahrnehmung der eigenen Arbeit als stressig (2015)

Tabelle 3 Wahrnehmung der eigenen Arbeitals stressig

Quelle: Mosaich (ISSP) 2015

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