Begeisterung – die Kraft, die Berge versetzt

26.07.2017 in Persönlichkeit von Tatiana Sfedu

Begeisterung_Titelbild

© wiki.yoga-vidya.de

Menschen, die sich begeistern können, faszinieren. Wenn sie über das reden, was ihre Leidenschaft ist, beginnen ihre Augen zu strahlen. Aus ihnen leuchtet diese ganz eigene Energie, die nur aus echter Begeisterung für einen persönlichen Traum heraus entsteht. Dabei handelt es sich um eine Emotion, der die Kraft immanent ist, Berge zu versetzen und Ziele leichten Fusses zu erreichen. Je brennender einen Menschen bestimmte Dinge interessieren, je sinnvoller sie ihm erscheinen und je stärker die Übereinstimmung zwischen Herz und Kopf ist, desto begeisterter ist er. Es ist die besondere Art dieser Emotion, die Menschen erfolgreich macht.

Mit Geist erfüllen

Das Verb „begeistern“ drückt im Grunde genommen bereits aus, wo der Ursprung dieser Emotion zu suchen ist, nämlich im Geist, also im Kopf. Etymologisch betrachtet, ist es ein im 17. Jahrhundert zu „Geist“ gebildetes Präfixverb. Ursprünglich bedeutete es „mit Geist erfüllen“ im Sinne von „beseelen“ und „beleben“.

Häufig wird Begeisterung auch mit Enthusiasmus gleichgesetzt, einem Begriff aus der griechischen Antike: «enthousiasmós», der eine göttliche Inbesitznahme umschrieb. Enthusiasten waren von Gott besessene oder durch eine göttliche Eingebung inspirierte Personen. Hatte Enthusiasmus zunächst eine religiöse Konnotation, bezeichnet das Wort im heutigen Sprachgebrauch dagegen den emotionalen und persönlichen Einsatz für eine Sache, ein mehr als durchschnittliches, intensives Interesse auf einem speziellen Gebiet oder die besondere Mühe, mit der man bestimmte Ziele verfolgt.

Welche Rolle spielt das Gehirn dabei?

Begeisterung äussert sich jedoch nicht nur im Verhalten, es ist auch ein biologischer Prozess. Neurowissenschaftlichen Studien zufolge aktiviert Begeisterung im menschlichen Gehirn die emotionalen Zentren. Zu dieser Erkenntnis kommt der Biologe und Autor Gerald Hüther, dessen Fachgebiet die angewandte Neurobiologie ist. Evident ist, dass Menschen sich ab einem gewissen Alter nicht mehr so schnell begeistern lassen wie Kinder, die zwanzig- bis fünfzigmal am Tag einen Zustand grösster Begeisterung erleben. Jedes Mal findet hierbei eine Aktivierung der emotionalen Zentren statt, und es wird ein Cocktail von neuroplastischen Botenstoffen ausgeschüttet, die ein starkes Glücksgefühl auslösen. Schliesslich entstehen neue Verknüpfungen der Nervenzellen untereinander und damit neue Konstellationen, die zur Festigung, Stabilisierung und Aktivierung jener Bereiche im Hirn führen, die zur Lösung eines Problems oder zur Bewältigung einer neuen Herausforderung zuständig sind. Die geistige Fähigkeit steigt. Wer somit etwas mit Begeisterung macht, wird schnell immer besser, denn mit jedem Begeisterungssturm läuft im Hirn ein gewissermassen selbst erzeugtes Doping ab.

Gerald Hüther ist überzeugt, dass Menschen, denen es gelingt, ihr Gehirn noch einmal auf eine bisher ungewohnte Weise zu nutzen, ein anderes Gehirn bekommen. Allerdings setzt sich Begeisterung auch der Möglichkeit des Scheiterns, der Enttäuschung aus. Je älter der Mensch wird, desto bedachter geht er an die Dinge heran. Die Begeisterungsfähigkeit kommt dann manchmal zu kurz. Daher ist es wichtig, sich als Heranwachsender oder Erwachsener Enthusiasmus und Leidenschaft zu bewahren. Also wenn tatsächliche innere Begeisterung aufkommt, kann der Mensch bis ins hohe Alter neue Netzwerke aufbauen und sein Gehirn weiterentwickeln.

Ausdauer?

Oft wird die Bedeutung der Ausdauer für den Erfolg unterstrichen. Aber Ausdauer ist vor allem eine Folge andauernder Leidenschaft. Dass Begeisterung als eine intensive Form der Freude mit Aktivität und Energie verbunden ist, hat jeder schon verspürt. Wer sich somit noch einmal mit Enthusiasmus für etwas öffnet, was ihm bisher verschlossen war, wie beispielsweise einem Tandemsprung, praktiziert Selbstdoping für das eigene Gehirn.

Begeisterung_Flugzeug

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Diese Potentialentfaltung ist das Gegenteil von blosser Ressourcennutzung. Routine scheint hierbei eine negative Schlüsselfunktion zu haben, denn sie verhindert jeglichen Begeisterungssturm und in der Folge jegliche Kreativität, Entdeckerlust und somit die Weiterentwicklung des Gehirns. Es entstehen keine neuen Gedankengänge, kein Elan, öfter etwas auszuprobieren und anders zu machen. Allein die Tatsache der Neuheit, so Hüther, sei für das menschliche Gehirn eine angenehme Erfahrung.

Selbstmotivation

Unabdingbar ist eine intrinsische Motivation, der innere Antrieb. Sie bildet die Voraussetzung für leidenschaftliches Handeln, ist die treibende Kraft bei allen Erfolgsprojekten und erzeugt die Energie, die Begeisterung anstösst und am Leben hält. Es kann niemand gezwungen werden, Begeisterung für eine Tätigkeit oder Sache zu empfinden. Dennoch, selbst mit einem klaren und selbst gewählten Ziel vor Augen, scheitern manche Menschen letztlich, weil sie vor den Mühen kapitulieren. Wirklich anhaltende Begeisterung stellt sich nur ein, wenn eine Aufgabe sich im Rahmen des Machbaren bewegt und trotzdem eine reizvolle Herausforderung darstellt. Ziele sollten somit weder unterfordern noch zu hoch gesteckt werden, dann sind sie so stark und attraktiv, dass sie das Feuer der Begeisterung entfachen und erhalten. Das sollte besonders beachtet werden, wenn eine neue Karriere gestartet wird.

Quellen:

  • Enthusiasmus, unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Enthusiasmus.
  • Gerald Hüther, Begeisterung ist Doping für Geist und Hirn, Vortrag, 2. Konferenz des Denkwerks Zukunft in Berlin, 15.01.2011, unter: http://www.gerald-huether.de/populaer/veroeffentlichungen-von-gerald-huether/texte/begeisterung-gerald-huether.
  • Jörg Lohr, Begeisterung - die magische Stunde, Augsburg 2011, S. 9-17.
  • Jochen Niehaus/ Robert Thielke, Was ich geschaffen habe, können auch andere. Wunder der Motivation, in: Focus-Magazin Nr. 52, 2010, S. 94-99.