Ein Beitrag der Schweizer Berghilfe

Bergfotograf über Umwege

06.12.2017 in Berghilfe von Max Hugelshofer

Bergfotograf Titelbild

© Schweizer Berghilfe

Er ist draussen unterwegs, sein Jagdrevier sind die Schweizer Berge und manchmal schiesst er, was das Zeug hält. Yannick Andrea ist aber kein Jäger, sondern Bergfotograf. Geduld ist gefragt, wenn man mit Tieren arbeitet. Yannick Andrea nimmt sich immer so viel Zeit, bis er in der Herde nicht mehr als Störfaktor wahrgenommen wird.

«Es muss nicht nur für denjenigen hinter der Kamera stimmen, sondern vor allem auch für die vor der Kamera.» Diese Aussage umschreibt sehr gut, wie Bergfotograf Yannick Andrea arbeitet. Er nimmt sich Zeit, lässt sich auf die Menschen ein, die er fotografieren soll, nimmt auf ihre Wünsche Rücksicht. Das zahlt sich aus. Nicht nur für Yannick, der auf diese Weise viele spannende Begegnungen hat und interessante Menschen kennenlernt, sondern auch für seine Kunden, die authentische und persönliche Bilder bekommen.

Diese Arbeitsweise bringt es mit sich, dass Yannick selten einfach nur ein paar Stunden am Ort eines Auftrags verbringt. Er reist meist im Morgengrauen oder sogar schon am Tag zuvor an und bleibt solange, wie es nötig ist. Auf der Alp Kleinguraletsch, wo wir ihn treffen, ist er schon fast Stammgast. Für einen Fotovortrag hat er hier die Älplerfamilie, Andrea und Felix Tanner und ihre Kinder, einen ganzen Sommer über begleitet. «Ich war insgesamt schon fast zehn Mal hier, meist für zwei, drei Tage.» Dabei hat er nicht nur alle Arbeiten, die auf der Alp oberhalb von Vals anfallen, die verschiedenen Tiere und von Sonnenschein bis zu Hagelgewitter alle Wetterbedingungen dokumentiert. In dieser Zeit ist Felix auch zu einem guten Bekannten geworden, und die Kinder freuen sich jedes Mal, wenn Yannick – «der Mann mit den roten Hosen» – wieder auf Kleinguraletsch kommt. Umso mehr, weil er meistens Nussgipfel mitbringt.

Vom Hobby zum Beruf

Ursprünglich Zimmermann, arbeitete Yannick im Gartenbau, in der Forstwirtschaft und als Betreuer von Drogensüchtigen auf Entzug. Das Fotografieren war lange Zeit ein Hobby, bis eine Diashow über die Bauern in Yanniks Wohnort Filisur ihn mit der Schweizer Berghilfe in Kontakt brachte. Seither ist er mit offiziellem Auftrag mit der Kamera in den Bergen unterwegs.

Eine Ausbildung im Fotografieren hat Yannick nicht. Sein Wissen hat er sich selbst beigebracht. Einerseits durch Ausprobieren. Andererseits, wie er immer wieder erstaunten Fotostudenten erzählt, durch das genaue Lesen der Gebrauchsanweisungen von Kamera, Objektiven und Blitz. «Es tönt etwas blöd. Aber dort ist ganz einfach beschrieben und mit Zeichnungen illustriert, was es mit der selektiven Tiefenschärfe, mit Belichtung und mit Blitzen auf sich hat.»

Hilfe zur Selbsthilfe für die Schweizer Bergbevölkerung – seit 1943

Nur wenn das soziale und wirtschaftliche Umfeld stimmt, wandern die Menschen nicht aus den Berggebieten ab. Deshalb unterstützt die Stiftung Schweizer Berghilfe jedes Jahr mehrere hundert Projekte von Einzelpersonen und Gemeinschaften, welche die harten Lebensbedingungen in den Bergregionen verbessern. So werden unter anderem dringend notwendige Arbeitsplätze erhalten und geschaffen. Dies ermöglicht es den Menschen in den Schweizer Bergen, ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften und weiterhin in ihrer Heimat zu leben.

Den Fotovortrag, den Yannick im Auftrag der Schweizer Berghilfe erstellt, hält er in Altersresidenzen der Tertianum-Gruppe und an öffentlichen Fotoabenden in der ganzen Schweiz. Für die Berghilfe arbeitet der 44-Jährige bereits seit 14 Jahren. In dieser Zeit ist er schon hunderte Male vor dem Morgengrauen losgefahren, hat manchen Stall von innen gesehen, ist zu Fuss auf dutzende Alpen hochgestiegen und hat unzählige Berglerinnen und Bergler fotografiert. Verleidet ist es ihm trotzdem noch nicht. «Ich habe lange gebraucht, bis ich ‘meinen’ Beruf gefunden habe. Ich bin hineingerutscht, auch dank der Erfahrungen in anderen Berufen. Und ich freue mich immer noch, dass es funktioniert und ich vom Fotografieren leben kann.»

Bergfotograf

Sein Beruf führt Yannick Andrea an die schönsten Orte in den Schweizer Bergen.

© Schweizer Berghilfe