Ein Beitrag der Schweizer Berghilfe

Diese Beiz ist eine Familiensache

21.07.2017 in Berghilfe von Max Hugelshofer

Diese Beiz ist eine Familiensache

Esther Stauffacher ist Beizerin aus Leidenschaft. Das schätzen die vielen Stammgäste.

© Schweizer Berghilfe

Angefangen hat alles vor sechzehn Jahren mit einem Gartentisch und einem Sonnenschirm vor dem Bauernhaus. Heute sind die gut 50 Plätze des «Buurebeizli Dergeten» oft komplett besetzt. So oft, dass Familie Stauffacher einen weiteren Ausbauschritt wagt.

In der Fassade des schmucken Toggenburger Bauernhauses klafft ein riesiges Loch. Vom Wohnzimmer ist nicht mehr viel übrig. Trotzdem sieht man nur fröhliche Gesichter bei Familie Stauffacher. Denn im Weiler Dergeten hat keine Bombe eingeschlagen. Nein, Bauarbeiten sind endlich im Gang. Entstehen soll eine zusätzliche Gaststube mit 40 Sitzplätzen und eine grosse Küche für das Buurebeizli.

Das Beizli hat in den vergangenen Jahren das Leben der Bergbauernfamilie komplett umgekrempelt. Vor allem Mutter Esther ist heute mehr Wirtin denn Bäuerin. Ihre Käseknöpfli sind weit herum bekannt, und das Buurebeizli ist zum beliebten Treffpunkt für die Leute aus der Region geworden. Sie kommen einzeln, aber vor allem auch in Gruppen. Kaum eine Woche, in der nicht ein Geburtstag, eine Taufe oder sonst ein Familienfest stattfindet. Und schon bald fängt die Zeit der Firmen-Weihnachtsessen wieder an. Bis dann müssen die Bauarbeiten fertig sein.

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Nur wenn das soziale und wirtschaftliche Umfeld stimmt, wandern die Menschen nicht aus den Berggebieten ab. Deshalb unterstützt die Stiftung Schweizer Berghilfe jedes Jahr mehrere hundert Projekte von Einzelpersonen und Gemeinschaften, welche die harten Lebensbedingungen in den Bergregionen verbessern. So werden unter anderem dringend notwendige Arbeitsplätze erhalten und geschaffen. Dies ermöglicht es den Menschen in den Schweizer Bergen, ein genügendes Einkommen zu erwirtschaften und weiterhin in ihrer Heimat zu leben.

Neu gestartet

Angefangen hatte das Buurebeizli ganz klein. Einmal kam ein Wanderer, der auf den Speer wollte, auf dem Hof vorbei und fragte, ob dies ein Restaurant sei und ob er etwas zu Trinken bekäme. «Nein, auf die erste Frage, aber ja auf die zweite», war die Antwort von Esther. Der Mann ging bald gestärkt weiter, aber die Idee blieb hängen. Kurz darauf stellte Ester einen Gartentisch samt Sonnenschirm nach draussen, und das Buurebeizli war geboren. «Erst lachten mich alle aus, aber schon bald hatten wir regelmässig Gäste», erinnert sie sich. Sie fing an, auch Essen zu servieren und merkte bald, dass das Interesse nicht nur bei den Wanderern gross war. 2009 wagten Stauffachers dann den grossen Schritt und errichteten einen Anbau mit 50 Sitzplätzen und einer kleinen Küche. Das Beizli wurde immer bekannter, die Gesellschaften wurden immer grösser – und Esther kam langsam aber sicher an den Anschlag. Zwar hatte sie die ganze Familie im Rücken: Die zweitälteste Tochter Miriam, die seit gut einem Jahr in einer Generationengemeinschaft mit Vater Melchior den Hof führt, arbeitet sowieso viel mit. Die vier Jahre jüngere Lydia arbeitet Teilzeit im Beizli, und die anderen vier Kinder kommen und helfen, wenn Not am Mann ist. Aber die meiste Arbeit bleibt doch an Esther hängen.

Tochter Miriam

Tochter Miriam packt stets auf der Baustelle mit an.

© Schweizer Berghilfe

Das soll sich mit dem Neubau bessern. Einerseits wird sie in der neuen, abgetrennten und grösseren Küche viel ungestörter und effizienter arbeiten können. Andererseits werden Stauffachers für den Service dann endlich jemanden einstellen können. Esther bleibt somit wieder etwas mehr Zeit – die sie in ihren neuen, grossen Kräutergarten investieren will. Das kommt ebenfalls den Gästen zu Gute. Denn die feinen Kräuter landen alle in irgendeiner Form auf dem Teller. Oder im Glas. Esthers selbstgemachter Eistee ist inzwischen schon fast so berühmt wie ihre Käseknöpfli.

www.buurebeizli-dergeten.ch

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